Segeberger Zeitung

Blumenpracht und Kreidefelsen im Hof-Café (28.09.2017)

Groß Niendorf (kra) - Bis Ende des Jahres zeigt das Hof-Café zwölf farbige Kreidezeichnungen und vier große Aquarelle des spätexpressionistischen Malers Günter Machemehl (1911-1970) - eine Ausstellung in der Tradition des in Groß Niendorf geborenen Malers Christian Rohlfs.

Machemehl gehörte zwar nicht der Künstlervereinigung "Brücke" an, war aber geprägt von deren Mitbegründer Karl Schmidt-Rottluff, den er während des Studiums für Philosophie und Kunstgeschichte an der Staatlichen Akademie der Künste in Berlin kennengelernt hatte. Mit ihm verband ihn bis zu seinem Tod eine enge freundschaftliche Beziehung. Ein zartes Pflanzenbild in der Ausstellung ist dem Freund gewidmet "Hommage à Schmidt-Rottluff".

"Die Blumenpracht des Spätsommers verlängert sich in den Räumen auf den Bildern von Günter Machemehl", freut sich der in Ostholstein lebende Ralf Jenett, Schwiegersohn des Malers. Es sind fein-schwarz-geränderte Blumen in kleinen Glasvasen, die immer noch in Machemehls Haus in Sierksdorf stehen, ein ausdrucksstarkes, in kräftiger Kreideführung skizziertes Frauenporträt und immer wieder seine Lieblingsmotive der Ostseeküste, die er mit energischem Strich wiedergegeben hat wie "Die alte Schule" oder "Die Kreidefelsen von Møn". Im Winter wurde drinnen gemalt, im Sommer ging es hinaus.

Für die abstrakte Malerei hielt sich der Künstler zu alt. Er ließ sich lieber von realen Gegenständen inspirieren, allerdings weniger radikal, als Schmidt-Rottluff es tat. Machemehls Interessen galten der japanischen und chinesischen Kunst des Weglassens in Form und Farbe, was der Betrachter auch unschwer in dem Kirschblütenzweig im Café erkennen kann. Literatur war wichtig für ihn. Er pflegte einen intensiven Briefwechsel mit Hermann Hesse, den im Jahr 2007 - lange nach seinem Tod - die Familie Machemehl als Buch veröffentlichen ließ.

In Pommern geboren, erhielt der Maler während des Nationalsozialismus acht Jahre Berufsverbot für die sogenannte "entartete Kunst". Später kam er in russische Gefangenschaft, aus der er herzkrank und unglücklich wegen der verschollenen Bilder zurückkehrte: Denn es waren die so lebensbejahenden und in kräftigen Farben dargestellten Gemälde und Skizzen seiner ersten Schaffensperiode. Schwiegersohn Jenett hofft, dass die auffällig mit "GM" signierten Werke doch noch aufgefunden werden, so wie ein Gemälde, das in einer Galerie in Frankfurt am Main auftauchte.

1946 kam Machemehl mit seiner Frau als Flüchtling nach Sierksdorf, wo die Schwester seiner Frau wohnte. In dieser zweiten Arbeitsphase in der neuen Heimat entstanden etwa 1000 Bilder. 1954 kaufte er dort ein kleines Haus, an das Karl Schmidt-Rottluff ein kleines Atelierhaus bauen ließ für seine Besuche in jedem Sommer bis zum Jahr 1973.

Die Exponate befinden sich alle in Familienbesitz und sind unverkäuflich, aber im Hof-Café liegen käufliche Drucke von einigen Werken aus.

Die Schau im Hof-Café (Dorfstraße 29) ist geöffnet bis zum 15. Dezember sonnabends und sonntags sowie feiertags von 14 bis 18 Uhr.

Segeberger ZeitungArtikel und Foto von Friederike Kramer am 28. September 2017, mit freundlicher Genehmigung der Segeberger Zeitung

(aktuell bis 28.09.2017 - der Artikel wurde 272 x aufgerufen)


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