Aktuelles

Riesenmangel an gelben Säcken (28.09.2017)

40 Prozent der Ausgabestellen haben zu wenig Nachschub erhalten - Zuständige Firma belieferte lieber Steinburg

Bad Segeberg (ger) - Stinksauer ist Anja Kost vom gleichnamigen Edeka-Laden in Wahlstedt. Die Wertstoffentsorgungsfirma Optisys aus Wedel liefere nur selten die versprochenen Rollen mit leeren gelben Säcken, um sie gratis an die Kunden weitergeben zu können, beklagt die Kauffrau.

"Jetzt ist Feierabend!" Sie gebe keine Beutel mehr raus, sagt Anja Kost. Andere Ausgabestellen sprechen ebenfalls von katastrophalen Zuständen.

Optisys erklärt die Probleme mit Engpässen beim Zulieferer und einer Rettungsaktion für die Wertstoffsammlung im Kreis Steinburg. Die Lage werde sich in Segeberg bald bessern.

Erst wenn es so weit gekommen ist, will Anja Kost ihr Geschäft wieder als Ausgabestelle zur Verfügung stellen. Seit vielen Jahren hätten erst ihr Vater und dann sie die gelben Säcke als freiwillige Serviceleistung an die Kunden ausgegeben.

Die Bürger sammeln zu Hause in den Beuteln den Verpackungsmüll. Die gefüllten Wertstoffsäcke werden im Auftrag der Industrie entsorgt, die die Warenverpackungen wiederverwerten muss. Für den Kreis Segeberg ist die Firma Landbell zuständig, die die Arbeit 2017 wiederum dem Unternehmen Optisys übertragen hat. Die Kosten für die Entsorgung und damit auch für die Beutel haben die Bürger zuvor bezahlt, über einen Preisanteil beim Kauf der verpackten Waren im Geschäft.

Über hundert Ausgabestellen gibt es im Kreis Segeberg (www.wzv.de). Zu ihnen zählte bislang der Edeka-Laden von Anja Kost. "Alle Firmen hatten ihre Anlaufschwierigkeiten. Aber nur ein halbes Jahr", sagt Anja Kost. Bei Optisys dauere es weiterhin lange, bis überhaupt neue Beutel-Lieferungen kämen, und dann nur eine Handvoll Kisten. Die Vorgängerfirma sei öfter gekommen und habe dann zwölf Kartons geliefert. Optisys habe ihr die Lieferprobleme mit Anfangsschwierigkeiten begründet, sagt Kost. Oder auch mal behauptet, die Beutellieferungen steckten in einem Hafen fest. Oder der Tourenplan der Fahrer sei noch nicht fertig gewesen.

Mehrfach in der Woche habe sie nachgehakt und sei immer wieder vertröstet worden. Die Erklärungen hält sie für vorgeschoben: "Ich wurde nur angelogen." Außerdem sei der zuständige Optisys-Mitarbeiter wochenlang nicht zu erreichen gewesen. Unterdessen hätten die Edeka-Kassiererinnen den ganzen Frust der Kunden abbekommen, weil es an der Kasse keine leeren Beutel mehr gab. "Und ich habe 10 000 Kunden pro Woche."

Jetzt ist Schluss. Darüber informiert Anja Kost mit Aufklebern an den Kassen. "Ich will meine Kunden nicht verprellen. Es tut mir leid für sie." Den Ausgabestopp habe sie Anfang dieser Woche auch Optisys mitgeteilt. "Die Firma hat nicht mal nachgefragt, warum." Sie habe das Gefühl, Optisys verknappe die Beutelversorgung, damit die Kunden sparsam mit den Tüten umgingen und sie nicht missbrauchen als kostenlosen Müllbeutel, Kleidersack oder als Leergutdepot.

Was Anja Kost außerdem erstaunt: Optisys habe das Rathaus und die Bücherei nebenan gleichwohl stets beliefert. Für Edeka-Kundin Ursula Sieck ist diese Ausgabestelle aber wenig attraktiv. Das Rathaus habe viel kürzere Öffnungszeiten als Edeka. Den Schritt von Anja Kost kann sie gut nachvollziehen. Sieck vermutet, dass viele Bürger ihren Verpackungsmüll mangels Beuteln künftig in der Restmülltonne versenken.

Knapp waren die Beuteltrollen 2017 schon mehrfach gewesen, etwa in Bad Bramstedt und jetzt erneut in Kaltenkirchen. "Seit sechs Wochen kommt nichts", sagt ein Sprecher von Famila. Ständig liefere Optisys neue Ausreden.

"Warum klappt die Verteilung in Stormam, aber hier nicht?" Auch im Globus-Baumarkt in Kaltenkirchen fehlen seit Wochen neue Lieferungen. "Und wenn, erhalten wir nur ein oder zwei Kartons", sagt eine Mitarbeiterin. "Früher lief das besser."

Obwohl nicht zuständig für die Wertstoffsammlung, laufen auch beim Segeberger Müllentsorger Wege-Zweckverband (WZV) viele Bürgerbeschwerden ein. "Da gibt es richtig massive Probleme", stöhnt WZV-Chef Jens Kretschmer. Bürgermeister in den WZV-Gremien berichteten ebenfalls davon. Viel ausrichten könne der WZV nicht, nur Optisys und den Auftraggeber Landbell ermahnen.

Das Unternehmen Optisys räumt Probleme ein. Grund sei, dass die Firma Anfang Juli kurzfristig auch die Entsorgung im Kreis Steinburg übernommen habe, sagt Firmensprecherin Nadine Walter. "Der dortige Entsorger ging insolvent." Innerhalb von drei Tagen habe Optisys die Entsorgung in Steinburg organisieren müssen, mit Tourenplanung, Personalgewinnung, Fahrzeugbestellung und Verteilung der gelben Säcke. Mitte Juli sei umgehend neues Material aus Südostasien geordert worden. Die Lieferzeit betrage aber sechs bis acht Wochen. "Hinzu kam ein Lieferengpass." Noch in dieser Woche werde sich die Versorgung mit Beutelrollen verbessern, versprach die Firmensprecherin. Etwa 40 Prozent der Ausgabestellen seien von der bisherigen Beutelnot betroffen gewesen.

Ans Aufgeben denkt Optisys nicht. Die Firma habe für die Entsorgung in Segeberg einen Vertrag bis Ende 2019, sagt Nadine Walter. "Wir werden den Vertrag störungsfrei bis zum Ende der Vertragslaufzeit weiterführen."

Segeberger ZeitungArtikel und Foto von Gerrit Sponholz am 28. September 2017, mit freundlicher Genehmigung der Segeberger Zeitung

(aktuell bis 28.09.2017 - der Artikel wurde 377 x aufgerufen)


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