Unsere Umwelt

Deutscher Bauernverband e.V. Faktencheck: Stickstoff, Landwirtschaft und Umwelt

Groß Niendorf (hbi) - Aufgrund des Artikels "Gülle-Notstand in Schleswig-Holstein" vom Ende Februar 2018, den uns die Deutsche Umwelthilfe e.V. schickte, hat uns Bernd Tensfeldt, Landwirt in Groß Niendorf einen Faktencheck vom Deutschen Bauernverband e.V. gemailt mit der Bitte, ihn online zu stellen. Dem Wunsch entsprechen wir gern.
Wer den Faktencheck mit allen Grafiken gern hätte, kann ihn am Ende dieses Artikels im Original herunterladen. Beide Berichte werden von mir nicht bewertet. Lesen Sie beide und bilden sich selbst ein Urteil.

Behauptet wird, dass Stickstoff und Gülle die Umwelt belasten.

Tatsache ist, dass Stickstoff überlebenswichtig ist und heute die Weltbevölkerung etwa zur Hälfte durch mineralische Stickstoffdüngung ernährt wird.
Wozu Stickstoff?
Stickstoff ist einer der wichtigsten Nähr stoffe für Pflanzen. In der Landwirtschaft gibt es zwei Hauptquellen für Stickstoff: mineralischer Stickstoffdünger / Mineraldünger und so genannter Wirtschaftsdünger, also Gülle, Mist- oder Gärreste aus Biogasanlagen sowie Kompost. Das Umweltbundesamt (UBA) schätzt, dass etwa 30 bis 50 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge auf der Nutzung mineralischer Dünger basieren und aufgrund der heutigen Ernährungsstruktur damit die Weltbevölkerung ihre Ernährungsgrundlage fastzur Hälfte dem Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger verdankt.
Was ist Nitrat?
Die meisten Pflanzen können Stickstoff in seiner elementaren Form als N2 nicht aufnehmen, sondern nur als reaktive Stickstoffverbindung. Dies ist vorwiegend Nitrat (NO3). Nitrat ist im Boden leicht beweglich und kann deshalb gut von den Pflanzen aufgenommen werden. In der Regel kann eine Pflanze nicht alles im Boden verfügbare Nitrat aufnehmen und in Pflanzenmasse umsetzen. Die Aufnahmerate des ausgebrachten Stickstoffdüngers durch die Pflanze insgesamt wird als Stickstoffeffizienz bezeichnet. Diese hängt sowohl von der Pflanzen- als auch von der Dünger- und Bodenart ab. So kann Stickstoff aus mineralischem Dünger leichter aufgenommen werden als der Stickstoff aus Wirtschaftsdünger. Typische Stickstoffeffizienzen für Ackerkulturen wie Weizen, Raps und Zuckerrüben liegen im Bereich von 65 bis 90 Prozent.
Von den Pflanzen nicht aufgenommenes Nitrat kann aufgrund seiner guten Löslichkeit mit dem Regenwasser beispielsweise in tiefere Bodenschichten verlagert werden oder letztlich in das Grundwasser versickern. Bei diesem Prozess fixiert der Boden wiederum einen Teil des Nitrats oder wandelt dieses in andere Stickstoffverbindungen um (so genannte Denitrifikation). Dadurch kommt nur ein kleinerer Teil des pflanzlich nicht aufgenommenen Nitrats tatsächlich im tiefen Grundwasser an. Unter bestimmten Bedingungen kann Nitrat im Grund- und Trinkwasser in das gesundheitsschädliche Nitrit umgewandelt werden. Deshalb gibt es für Nitrat im Trinkwasser einen Schwellenwert.
Warum verwenden Landwirte Gülle?
Je mehr Stickstoff zur Deckung des Bedarfs der landwirtschaftlichen Kulturen über wirtschaftseigene Dünger, wie Gülle oder Mist, gedeckt werden können, umso weniger sind Landwirte auf den Zukauf von Mineraldünger angewiesen. Tierhaltung und die Verwendung von Wirtschaftsdünger sind Kernelemente einer nachhaltigen Landwirtschaft, da die in der Gülle und dem Mist enthaltenen Nährstoffe im Sinne der Kreislaufwirtschaft wieder dem Boden zugeführt werden.
Zusätzlich zu den Nährstoffen enthalten Gülle und Mist organische Substanz, also beispielsweise Stroh oder unverdautes Futter, die als Ausgangsstoff für die Humusbildung im Boden dient und für viele Bodenlebewesen eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellt. Da im Ökolandbau keine mineralischen Düngemittel verwendet werden dürfen, ist ein ökologischer Landbau ohne Gülle und Mist schwer möglich. Für Ackerbaubetriebe ohne eigene Tierhaltung ist die Abnahme von Wirtschaftsdüngern von tierhaltenden Betrieben sinnvoll, um den Einsatz von Mineraldünger zu reduzieren.
Wie viel Wirtschaftsdünger verwenden deutsche Landwrte?
Nach Daten der Agrarstrukturerhebung 2016 des Statistischen Bundesamtes wurden 2015 in Deutschland rund 208 Mio. m³ Gülle als Dünger ausgebracht. Gegenüber 2010 stellt dies eine Abnahme bei der Rinder- und Schweinegülle um 5 bzw. 15 Prozent dar und eine Verdopplung der Biogasgärreste auf 63 Mio. m³. Die ausgebrachte Menge an Rindergülle hat geschätzt 315.000 bis 460.000 t Stickstoff enthalten und die Schweinegülle zwischen 80.000 und 140.000 t. Die Gärreste aus Biogasanlagen lieferten nochmals zwischen 250.000 und 320.000 t Stickstoff. Dies entspricht geschätzt 40 bis 55 Prozent des in den Jahren 2011-2016 durchschnittlich in Deutschland abgesetzten mineralischen Stickstoffdüngers. Damit konnten substanzielle Mengen an energieintensiv hergestellten Mineraldünger ersetzt werden. Zusätzlich zur Gülle wurden 2015 noch 24 Mio. t feste Wirtschaftsdünger ausgebracht, davon überwiegend Festmist.
Wie kommt der flüssige Wirtschaftsdünger auf das Feld?
Während 2010 noch fast 70 Prozent der flüssigen Wirtschaftsdünger mit Breitverteilern ausgebracht wurden, hat sich deren Anteil an der Ausbringung fünf Jahre später bereits auf 55 Prozent reduziert. Emissionsarme Schlitzverfahren und Injektionstechniken wie Güllegrubber, bei denen die Dünger direkt in den Boden eingebracht werden, konnten ihren Anteil auf rund 12 Prozent in 2015 nahezu verdoppeln. Auch andere umweltfreundliche Ausbringungstechniken sind auf dem Vormarsch: Die mit Schleppschuhen auf dem Feld zielgenau ausgebrachte Menge an flüssigen Wirtschaftsdüngern hat sich vervierfacht und die Ausbringung mit Schleppschläuchen als zweithäufigstes Verfahren stieg um gut ein Viertel.
Auch die Einarbeitungszeiten von flüssigen Wirtschaftsdüngern auf unbestellten Ackerflächen oder Stoppeln werden immer kürzer. Damit werden nicht nur Gerüche minimiert, sondern auch die Emissionen von Klimagasen und die Stickstoffverluste aus den Wirtschaftsdüngern gesenkt.
Wie hoch sind die Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft?
Tatsächlich entstammt zwar laut Stickstoffbericht der Bundesregierung mit 63 Prozent der überwiegende Anteil der Emissionen an reaktiven Stickstoffen – also Nitrat, Stickoxide und Ammoniak – aus der Landwirtschaft, jedoch hat sich nach Angaben des Julius Kühn Instituts und der Universität Gießen der absolute Stickstoffüberschuss der landwirtschaftlichen Nährstoffbilanz von 1990 bis 2014 nahezu halbiert: von 2,7 auf 1,4 Mio. t.

Deutscher Bauernverband e.V. - Faktencheck downloaden

Die komplette Aufnahme des Faktenchecks auf der Webseite würde den Rahmen sprengen, zumal die detaillierte Aufschlüsselung sowie die Grafiken nicht jeden interessiert. Wer Interesse hat am vollständigen Faktencheck mit allen Statistiken, kann ihn HIER als pdf-Datei herunterladen.

(Foto: © DLB / Christian Mühlhausen / Landpixel)

(aktuell bis 27.04.2018 - der Artikel wurde 935 x aufgerufen)


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Rechtliche Hinweise

Die Webseite wurde von mir als Journalist im Jahr 2001 entworfen und online gestellt. Es bestand großer Bedarf an Informationen über den berühmten, im Dorf geborenen Maler Christian Rohlfs. Eine offizielle Webseite für Groß Niendorf war noch nicht in Sicht. Heute betrachtet die Gemeinde sie gern als offizielle Homepage des Dorfes. - Alle Fotos dienen nur Informationzwecken und werden nicht gewerblich genutzt.

Holger Bischoff

 

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Wappenbeschreibung

In Silber ein blauer Wellenbalken und Bauernhaus mit Pferdeköpfen, roter Mauer und Fachwerk. Darunter ein Birkhahn mit schwarzem Gefieder, silbernen Schwanzfedern und roter Kopfzeichnung.

Flagge

2017 erhielt Groß Niendorf eine eigene offizielle Flagge.

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